Kategorie: New Work

Goodbye 2019, oder: Mut heißt nicht, keine Angst zu haben!

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„Mut heißt nur, dass man trotzdem springt!“ (Sarah Lesch)

Wir haben eine neue, programmierbare Kaffeemaschine. Sie ist der einzige Grund, warum ich hier sitze und schreibe. Ich hab die Maschine auf 07.00 Uhr programmiert (das war nicht schwierig), konnte die Nacht jedoch wieder einmal nicht schlafen. Aber der Geruch des Kaffees (und meine Neugierde, ob es denn mit dem Programmieren der Maschine funktioniert hat) hat mich aus dem Bett getrieben. Also trinke ich gerade Kaffee und schreibe an einer Art Jahresrück- und irgendwie auch Ausblick.

Dieser fokussiert ein wenig auf mich, auf meine Familie und natürlich auf meine Arbeit bei #IdeeQuadrat und der Hochschule.

Familie, icke und der ganze Rest

Meine Familie auf einem Bildschirm

Kleiner Tipp: So einen Jahresrückblick beginnt man am Besten chronologisch. Dabei besteht die Möglichkeit, von vorne nach hinten oder von hinten nach vorne vorzugehen. Beides geht. Ich schau mal, was ich wähle.

Aber um überhaupt den Jahresrückblick beginnen zu können, muss ich den Kalender öffnen, um zu reflektieren, was im letzten Jahr zur gleichen Zeit eigentlich war. Und allein das lässt entweder auf mein löchriges Gehirn oder auf die Überlastung durch zu viel schließen. Oder eben einen dazwischenliegenden Haufen an Grautönen und Mischungen zwischen Vergessen und Überforderung.

Letztes Jahr war 2019 noch nächstes Jahr

Letztes Jahr um diese Zeit sind wir nach Belgien gefahren und haben dort Haustausch gemacht. Wir sind eine Woche ausgestiegen aus dem Hamsterrad, rein in die belgische Pampa in der Nähe von Namur.

Dabei war das Wesentliche, dass wir – wie oft beim Haustausch – eine nette Familie kennengelernt haben, mit denen wir uns, auch wenn wir sie noch nie analog getroffen haben, verbundener fühlen als vielen analogen Treffen, Bekanntschaften und Zeiten, mit denen wir uns befassen.

Mir geht das in vielen Bereichen so: Menschen in den digitalen Sphären sind mir näher als Menschen, die ich freiwillig oder in bestimmten Kontexten zwangsweise analog treffe. Vielleicht liegt es an der oft gefühlten Oberflächlichkeit bestimmter Treffen. Als Beispiel will ich nur einen zu Beginn letzten Jahres gemachte Erfahrung herausgreifen:

Ein Vater, studiert, gebildet, im Staatsdienst, beschwert sich im Schulkontext darüber, dass unsere mittlere Tochter bei den #FridaysForFuture Demos mitgeht und die Schule eine dazu positive Haltung einnimmt. Er zieht den Vergleich heran, dass die Schule ja dann auch einer AfD-Demo positiv gegenüberstehen muss. Ich bin zunächst kurz sprachlos und versuche zu verstehen:

Ja, es gibt Menschen und damit auch unterschiedliche Meinungen. Aber ich glaube an die Wissenschaft, ich glaube an Erkenntnisse, die über lange Jahre erforscht wurden und ich verstehe nicht, dass Menschen hier „anders denken können als ich“.

Das klingt einseitig und es ist auch einseitig. Es ist wieder irgendwie schwarz und weiß.

Schwarz und weiß

Schwarz und weiß bestärkt sich in dem im Frühjahr 2019 stattfindenden Lokalwahlkampf in dem Ort, in dem wir leben. Ich habe eine (farblich für mich passende) Partei unterstützt, weil ich davon überzeugt bin, dass Veränderungen lokal ansetzen müssen und die Bedingungen vor Ort für die Menschen zählen. Das gilt für Politik genauso wie für Veränderung, Transformation und Entwicklung von Organisationen und Unternehmen.

Ich habe dann die Social Media Kommunikation des Wahlkampfs organisiert, vor allem Facebook und Instagram. Und auch dabei festzustellen, dass es gefühlt zunehmend um schwarz oder weiß, dies oder jenes, dafür oder dagegen geht, war schwer auszuhalten.

Ganz aktuell ist die Debatte um die #Umweltsau ziemlich unerträglich. Schwärzer und weißer kann es gar nicht geben. Aber, als Beispiel, meine Frau ist nicht auf Twitter und liest keine Bildzeitung. Und schon bekommt sie von dem ganzen Shitstorm überhaupt nichts mit. Welche Relevanz hat dann was in unserer Welt?

aus dem ZKM Karlsruhe: “medien meiden”

Ein persönliches Erlebnis in einem anderen Kontext und daraus resultierende massive Drohungen mir und meiner Familie gegenüber haben mich im Laufe des Jahres dazu bewogen, Facebook wie die gammelige Tupperdose im Kühlschrank zu behandeln, in die man immer mal wieder reinschaut, um ob des Inhalts angewidert den Deckel schnell wieder zu verschließen. Das ist insofern schade, da ich immer noch davon ausgehe, „dass das Netz ein guter Ort ist, wenn wir es dazu machen.

Nur kurz zum Erlebnis: Eine in ihrem Profil offensichtlich als Erzieher*in zu identifizierende, mir persönlich bekannte, Person postet in ihrem öffentlichen Profil ein Bild zu Greta Thunberg, in dem Marty McFly von Doc Brown aufgefordert wird, dem Vater von Greta ein Kondom aus der Zukunft mitzubringen, um damit Greta zu verhindern.

Für mich, als Vater von drei Kindern und als Sozialarbeiter, der ja schon irgendwas mit Menschen zu tun hat (wie Erzieher*innen auch), war der gute Geschmack damit eindeutig übertreten. Ich fand und finde es immer noch menschenverachtend und habe der Person dies mitgeteilt (tatsächlich relativ sachlich). Wieder schwarz und weiß. Nun gut, der Rest steht oben und Facebook für mich am Rand.

Menschen für den Weg in die Komplexität abholen

Warum ich das erzähle? Weil ich mir aktuell unsicher bin, wie es gelingen kann, eine ausreichende Masse an Menschen in eine zunehmend komplexe Welt zu begleiten.

Ja, wir können und dürfen die Menschen nicht „mitnehmen“, wie Thomas schreibt, da bin ich dabei. Es ist bevormundend und hilft nicht für persönliche Entwicklung, wenn Menschen nicht aus eigenem Antrieb heraus Wege beschreiten.

Aber ich bin davon überzeugt, alter Sozialarbeiter, dass wir die Menschen dort abholen müssen, wo sie stehen!

Damit meine ich, dass wir Möglichkeiten schaffen müssen, sich mit den sich abzeichnenden Entwicklungen, mit den Megatrends, mit Digitalisierung und Klimakatastrophe, mit Globalisierung und Wertewandel, mit Volatilität, Fluidität, Unsicherheit und Ambiguität oder kurz: mit zunehmender Komplexität in einem geschützten Rahmen auseinandersetzen zu können.

Der geschützte Rahmen ist für mich wichtig, weil ich glaube, dass die heutige und zukünftige Realität überfordernd ist, wenn wir nicht lernen, mit ihrer zwingenden Komplexität umzugehen.

Wirtschaft

Auch hier wieder beispielhaft: Die bisherigen Debatten um Klima und Wirtschaft verliefen in einem wirtschaftlich stabilen Umfeld. Wirtschaftswachstum war seit 2009, also 10 Jahre am Stück, Standard.

Aber diese Stabilität gerät ins Wanken: Menschen verlieren ihre Jobs, Bekannte und Familienmitglieder erzählen von Jobabbau und befristeten Beschäftigungen, Firmen, allen voran die Autoindustrie, blicken in eine oftmals selbst gemachte dunkle Zukunft.

Und in diesem Kontext werden die Diskussionen um eine lebenswerte und damit für mich einhergehend diverse, bunte, vielfältige und hoch komplexe Zukunft noch viel schwieriger, als sie es bislang mit einigen verirrten Nazis waren.

Aus pessimistischer Sicht ist das in den letzten Jahren unternommene Engagement für eine menschliche Arbeitswelt, für New Work, für Mitbestimmung, Ganzheitlichkeit, Purpose, Nachhaltigkeit usw. in Gefahr, da “Führungskräfte” (menschlich verständlich) wahrscheinlich wieder auf das zurückgreifen, was sie kennen: command and control um der Krise zu begegnen.

Ich bin davon überzeugt (und damit nicht der Einzige), dass das der denkbar schlechteste Weg ist, auf die Krise zu reagieren, aber wir werden sehen…

Nachhaltigkeit

Apropos Nachhaltigkeit: Spätestens seit Greta ist dieses Thema (wieder) hoch relevant. Minimalismus, Sparen, bio und Flugscham sind angesagt. Auch wenn ich hier voll dabei bin (und mich immer wieder bei kleinen Ausnahmen ertappe bzw. von meiner Frau ertappen lasse), klingt es wieder zu einfach:

Als Familienvater mit drei Kindern habe ich eine gewisse finanzielle Verpflichtung, wenn ich in unserer Gesellschaft leben will. Schon der Kredit für unsere Doppelhaushälfte ist aufzubringen. Und er ist günstiger als die aktuellen Mieten, was es nicht einfacher macht.

Der oft geforderte Minimalismus ist für Familien häufig keine Option, sondern zwingende Notwendigkeit. Mehr Sparen als Option für eine lebenswerte, oder besser: für überhaupt eine Zukunft geht oft nicht und die Entscheidung zwischen einer biologisch angebauten auf der einen und fünf benötigten Unterhosen auf der anderen Seite ist einfach.

Selbstverantwortung in der VUKA-Welt? Yes, I can!

Für mich persönlich habe ich die Einstellung, dass ich für mein Leben und damit auch das Leben meiner Familie oder zumindest meiner Kinder verantwortlich bin, solange sie diese Verantwortung nicht selbst tragen können. Ich treffe meine (manchmal richtigen, manchmal falschen) Entscheidungen vor dem Hintergrund, dass ich derjenige bin, der diese Entscheidungen treffen kann. Selbstverantwortung? Yes, I can!

Wenn jetzt aber, und darauf will ich hinaus, irgendein Firmenchef in irgendeinem Konzern über den Stellenabbau von drölfzig Prozent einer Belegschaft entscheidet und der in diesen Prozenten enthaltene und damit vom Abbau betroffene Mensch, Vater, Mutter, seinen und ihren Job verliert und die Familie nicht mehr ernähren kann, wird es enorm schwer mit dem selbst gewählten Minimalismus, vor allem aber mit der Selbstbestimmung und der Selbstverantwortung: Wer ist hier verantwortlich?

Und diesen Menschen dann – nachdem der Job weg ist und die Handlungsfähigkeit immer weiter eingeschränkt wird – zu erzählen, dass das der normale Lauf einer sich zunehmend VUKA entwickelnden Welt (ja, ich weiß, VUKA kann man drüber diskutieren) ist, wird nicht lustig.

Nur am Rande: Die Notwendigkeit, die Menschen auf eine sich zunehmend VUKA entwickelnden Welt vorzubereiten, ist schon jetzt und wird zukünftig zentrale Aufgabe Sozialer Arbeit. Das Problem ist hier nur: Auch die Professionellen kennen sich in dem Kontext nicht mehr aus, da die bisher mehr schlecht als recht greifende „Expertensicht“ (ich überspitze bewusst) nicht mehr ausreichen wird. Als Beispiele löst sich die Profession Heilpädagogik auf in einem diffusen Inklusionsbegriff und nicht mehr (nur) der klassische Alki verliert seinen Job, sondern ebenso die studierte Rechtsanwältin wie auch der Busfahrer und und und… Vor allem aber:

Auf welchen Arbeitsmarkt, bitteschön, sollen denn die „Maßnahmen“ vorbereiten, die den Menschen dann angeboten werden?

Hier geht es dann um New Work, aber das echte New Work.

Komplexität

Ich schweife ab, aber das Thema Komplexität beschäftigt mich mit Blick auf das Jahr 2019 und wohl auch 20020 sehr:

Für mich persönlich hat sich die Komplexität mit der Übernahme der Position des „Leiters Weiterbildungen“ an der KH Freiburg im März 2019 erhöht: Ich habe plötzlich Führungsverantwortung in einem Bereich, der sich bei näherer Betrachtung viel komplexer zeigt, als auf den ersten Blick angenommen. So haben sich für mich 2019 über diese Position viele Fragen ergeben, auf die ich bis heute noch keine Antwort habe: Will ich Führungsverantwortung übernehmen? Was ist Bildung? Was ist Weiterbildung? Welche Rolle nehmen Hochschulen in dem Kontext ein? Welche Rolle nehmen Hochschulen überhaupt noch ein? Wie gelingt es, ein starres System zu bewegen? Will ich das überhaupt? Reicht meine Kraft? Denn:

#IdeeQuadrat: Wirksamkeit und Verbundenheit

Parallel zur Übernahme der neuen Stelle haben sich die Anfragen und Aufträge für IdeeQuadrat zugenommen. Von Strategieentwicklungen kleinerer und größere Unternehmen und Organisationen über Organisationsentwicklungsprozessen zur Gestaltung agilerer, vor allem aber menschenzentrierter Arbeitsweisen über Projekte und Vorträge zur digitalen Transformation und Innovation in Unternehmen und sozialen Organisationen: Alles mehr als spannend und für mich hochgradig befriedigend, da ich darüber Wirksamkeit innerhalb der Komplexität erfahre und (hoffentlich) auch wirksam meinen Kund*innen gegenüber sein kann. Ich fühle mich mit dem verbunden, was ich in diesem Kontext tue.

Und ich freue mich schon jetzt auf die anstehenden Projekte 2020, aber:

Beides ist zu viel.

Anstellung und Freiberuflichkeit gehen bis zu einem gewissen Grad. Nebenberufliche Selbständigkeit ist machbar, wenn neben dem Beruf noch ausreichend Zeit bleibt, seine Selbständigkeit zu verwirklichen. Für mich zählt aber mindestens ein weiterer Aspekt:

Ich bin nicht frei in meinen Entscheidungen. Ich habe eine Familie und dies muss ich mir immer wieder (voller Glück und teilweise schmerzlich) vor Augen halten. Ihr kennt mein Hadern mit Entscheidungen und ihr wisst, welche Entscheidungen anstehen. Diese sind aber zu treffen, um mich und uns, meine Kinder und meine Familie, zu schützen. Wie die anstehenden Entscheidungen genau ausfallen, steht in offensichtlichen Sternen, da es bei Lebensentscheidungen keine Pro- und Contraliste geben kann.

Bei Lebensentscheidungen steht vielmehr die Frage im Vordergrund: Welcher Mensch willst Du gewesen sein? Auf dieser Frage basierende Entscheidungen unterliegen anderen Gesichtspunkten als Pro- und Contra-Entscheidungen.

Dank

Kurz vor Ende will ich an dieser Stelle noch ein paar Menschen Danke sagen für die Begleitung im Jahr 2019. Allen voran bist natürlich Du, Kerstin, hervorzuheben. Ich liebe Dich (auch dafür, dass Du meine Spinnereien immer wieder aufs Neue aushältst). Und dann kommen schon – in diesem digitalen Kontext 😉 – die Menschen aus dem Internet und darüber hinaus! Danke Jan, Benedikt, Sabine, Christian, Hannes, Thomas, Thomas, Carlo, Kathrin, Benjamin, Christian, Holger, Patrick, Torsten, Matthias, Stefan, Ute und noch viele mehr für gemeinsame Zeit, Inspiration, Ideen Diskussionen, Auseinandersetzungen… Habt es gut in 2020!

Welcher Mensch willst Du gewesen sein?

Damit lasse ich Dich jetzt allein.

Das reimt sich, und was sich reimt ist bekanntlich gut. Auch wenn das Jahr 2019 noch so viel Meer war, als hier geschrieben, spiegelt sich für mich, denke ich, ganz gut wieder, wohin es 2020 gehen wird. 2020 werde ich übrigens 40, wie die KI im ZKM schon recht gut erkannt hat. Vielleicht wachse ich ja noch. Das und das Jahr 2020 wird nicht einfach, aber das hat auch niemand gesagt.

Es wird spannend und anders und neu und komplex, darauf freue ich mich mit einem gehörigen Schiss in der Hose:

„Aber Mut heißt nicht keine Angst zu haben, Mut heißt nur, dass man trotzdem springt!“ (Sarah Lesch)

Sarah Lesch – Da Draussen (Offizielles Video)

Später mehr, habt alle einen Guten Rutsch 😉

Selbstverantwortung? Fehlanzeige!

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Vor etwas mehr als zwei Jahren, im November 2017, habe ich den Beitrag „Zurück in die Zukunft! Oder: New Work Sozial!“ veröffentlicht. Der Beitrag basierte auf der Blogparade von Christian, der sich in der Blogparade mit der Übertragung des Konzeptes New Work auf soziale Organisationen befasst hat. Für mich war eine Beteiligung an der Blogparade natürlich gesetzt:

Die Grundlagen des Ursprungskonzeptes „New Work“ im Sinne von Frithjof Bergmann mit den „New Ways of Working“ und der damit einhergehenden Frage nach zeitgemäßen und zukunftsfähigen Organisationen zu kombinieren und mit einem spezifischen Blick auf soziale Organisationen zusammenzubringen ist heute und war lange vor dem genannten Beitrag mein Antrieb.

Sinn, Selbstorganisation und Ganzheitlichkeit

Im Beitrag habe ich die Ausführungen von Laloux, die er in Reinventing Organizations macht, auf soziale Organisationen übertragen.

Der Dreiklang aus evolutionärem Sinn, Selbstorganisation und Ganzheitlichkeit war und ist für mich vergleichbar mit der “DNA sozialer Organisationen”, woraus sich für mich eine neue Art, Arbeit und im Spezifischen „Soziale Arbeit“ zu denken ergeben hat.

New Work heißt Freiheit, Selbstverantwortung, Verbundenheit, Entwicklung und Nachhaltigkeit

Die Übertragung dieser „New Ways of Working“ auf das Konzept „New Work“ von Bergmann ergibt sich für mich über die hinter dem Konzept liegenden Werthaltungen, die ich in einem Beitrag zum Fachkräftemangel aufgegriffen habe:

New Work – übertragen auf die heutige Welt und die Möglichkeiten, die sich aus dem Konzept ergeben – basiert für mich auf den Werten „Freiheit, Selbstverantwortung, Verbundenheit, Entwicklung und Nachhaltigkeit“. Wiederum verweise ich hier nur auf die Ausführungen, die ich vor einigen Wochen dazu gemacht habe, werde diese aber sicherlich – bspw. im Hinblick auf die Strategieentwicklung sozialer Organisationen – noch weiter ausformulieren.

Selbstorganisation, Ganzheit und Sinn in der Wissenschaft

Hier will ich aber nur kurz darauf hinweisen, dass inzwischen auch wissenschaftliche Veröffentlichungen (s.u.) auf diesen Phänomene zukunftsfähiger Organisationen basieren und in ersten Ansätzen versuchen, empirisch mittels leitfadenstrukturierter Expert*inneninterviews zu erheben, wie Führung, Kultur und Struktur, oder kurz: wie zukunftsfähige Organisationen der Sozialwirtschaft gestaltet sein sollten.

Zur Studie, auf die ich mich hier beziehe, ist anzumerken, dass „acht Führungskräfte aus acht Unternehmen ausführlich nach der Kultur in ihren Unternehmen (…) – nach ihrer Wirksamkeit, nach Macht und Ohnmacht, Wunsch und Wirklichkeit“ (Brinkmann, Balz, 2019, 15) befragt wurden.

Die Autorinnen schreiben weiter, dass sich „nach der ersten systematischen Durchsicht zeigte (…), dass der überwältigende Teil der Aussagen drei Oberkategorien zugeordnet werden konnte, die im Kern den von Laloux beschriebenen Durchbrüchen entsprachen: Grad der Selbstführung, Grad der Ganzheit und Grad des evolutionären Sinnes“ (ebd., 16).

Ganzheit und Sinn: Klar!

Hinsichtlich der Ergebnisse aus der Studie folgern die Autorinnen, dass „bei gleichzeitig geringerer Bezahlung von Mitarbeiter*innen wie Führungskräften in der Sozialwirtschaft im Vergleich zur gewinnfokussierten Wirtschaft (…) deutlich [wird], dass die Säulen Ganzheit und evolutionärer Sinn zentral sind, um die Attraktivität dieser Aufgaben zu erhalten“ (ebd., 19, Hervorhebg. d. Verf.).

Diese Aussage ist für die in der Sozialwirtschaft Tätigen eine Binse (auch wenn die Realität in den Organisationen leider immer noch anders aussieht).

Für die Beschäftigung mit zukunftsfähigen Organisationen ist die Aussage jedoch insofern spannend, da der dritte Aspekt im Dreiklang von Laloux, der Aspekt der Selbstorganisation, von den befragten Führungskräften nicht unmittelbar aufgegriffen wird.

Die Autorinnen schreiben vom „Grad der Selbstführung“ und der Feststellung, „dass sich ungerecht verteilte Macht innerhalb der Unternehmen an vielen unterschiedlichen Punkten manifestiert. Diese Punkte erkannten die Führungskräfte auch und benannten sie eindeutig. So wurde immer wieder das Machtgefälle zwischen Führungskräften und Mitarbeiter*innen, aber auch innerhalb der höheren Hierarchien als stark belastend und den Arbeitsablauf hemmend beschrieben. Veränderungswünsche der angeprangerten Missstände wurden jedoch insbesondere für die eigene Position formuliert“ (ebd., 17).

Ausgeliefert und „macht-los“ zu sein, wurde als extrem frustrierend beschrieben. Und weiter:

„Im Hinblick auf ihre eigenen Untergebenen ließen die Interviewten hingegen eine starke Zerrissenheit erkennen – zwischen dem Wunsch nach Abgabe von Kontrolle und Macht auf der einen Seite und dem Wunsch, Macht zu erhalten. Es zeigte sich, dass die Interviewten zum Teil in sehr hierarchischen Strukturen verhaftet sind, die die Kulturen ihrer Unternehmen und ihren eigenen Führungsstil beeinflussen und umgekehrt“ (ebd.).

Selbstverantwortung? Fehlanzeige!

Selbstorganisation im Sinne der Ausführungen von Laloux, aber auch Selbstorganisation im Sinne der Ausführungen, wie sie bspw. im agilen Manifest beschrieben sind, sind Fehlanzeige!

Die Autorinnen formulieren den Beitrag abschließend noch einige, von ihnen selbst teilweise als selbstverständlich erscheinende „Dos and Dont’s“. Für mich aber bleibt das wesentliche, etwas überspitzt formulierte Learning (aus den kurzen und zu vertiefenden Ausführungen der Studie):

Sinn und Ganzheitlichkeit können wir in der Sozialwirtschaft recht gut, Selbstorganisation, -führung oder -verantwortung jedoch nicht.

Wer lebt und wie gelingt Freiheit und Selbstverantwortung?

Das wiederum unterstreicht meine Ausführungen, dass Soziale Organisationen „eigentlich“ die perfekten „New Work Organisationen“ sind: Wenn es gelingt, Methoden selbstorganisierter Arbeit zu erlernen, sind wir schon einen riesigen Schritt weiter, da Ganzheitlichkeit und evolutionärer Sinn in sozialen Organisationen verankert ist oder sein sollte.

Der Schritt hin zu echten New Work Organisationen (ja, mir gefällt der Begriff auch noch nicht) gelingt aber nur, wenn die dem Ursprungskonzept New Work zugrundeliegenden Werte „Freiheit“ und „Selbstverantwortung“ nicht nur im Hochglanzleitbild stehen, sondern vor allem von den Führungskräften gelebt werden.

Das ist leichter gesagt, als in der Realität gelebt. Jedoch werden Menschen erst dann (Selbst-)Verantwortung übernehmen, wenn sie Verantwortung, und zwar echte Verantwortung, übertragen bekommen. Das haben sie oft nicht gelernt. Ach ja: Und Mitarbeiter*innen sind auch Menschen 😉

Transformation sozialer Organisationen im Sinne von Selbstorganisation, Ganzheit und evolutionärem Sinn, da sollten wir uns nichts vormachen, gelingt entsprechend in kleinen Schritten, in iterativen Experimenten, im Verlernen bislang als richtig empfundener und im neu Lernen sich unsicher anfühlender Verhaltensweisen.


Quelle: Brinkmann, J., Balz, St. (2019): Von Wunsch und Wirklichkeit – Was erproben und was wünschen sich Führungskräfte in der Sozialwirtschaft? In: Parnow, H., Schmidt, P. (Hrsg., 2019): Zusammen arbeiten, Zusammen wachsen, Zusammen leben. Wie wir unsere Zukunft gemeinsam gestalten. Wiesbaden: Springer.

Unternehmertum und Führung, oder: Warum es in sozialen Organisationen nicht läuft!

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Purpose-Abend für Unternehmerinnen und Unternehmer.” Dort war ich vor ein paar Tagen und will Dir hiermit einen kleinen Einblick in meine Gedankenwelt zum Thema Purpose, Unternehmertum und Führung in sozialen Organisationen verbunden mit einem Rückblick zur Veranstaltung geben.

Denn mich lässt der Gedanke nicht los: “Wir” aka die sozialen Organisationen oder „die Sozialwirtschaft“ sind die echten „Purpose-Unternehmen“, oder?

Wir brauchen viel mehr New Work in sozialen Organisationen – dann klappt’s auch mit den Fachkräften

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Ja, ich weiß, der Titel ist etwas provokant, aber soviel Spaß muss sein 😉

Interessanterweise lösen Impulse in soziale Systeme Reaktionen aus, die nicht kontrollierbar sind. Das sind Erfahrungen, die Menschen in Organisationen hinsichtlich deren Nichtsteuerbarkeit – der Menschen und der Organisationen – machen. Es ist aber auch das Spannende an den sog. Sozialen Netzwerken:

Mein Impuls zur Frage nach den Auswirkungen und Möglichkeiten von New Work auf den Fachkräftemangel sozialer Organisationen zeigt dies recht deutlich: Ich sende einen Tweet, aufgrund dessen Reaktionen von Hannes und Christian ausgelöst werden, die ich nicht hätte voraussagen können geschweige denn wollen, die mich aber gerade deshalb sehr freuen. Hier mein Tweet:

Werde zur eigenen Organisation, oder: Auf dem Weg zur Sozialwirtschaft 4.0

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#tl;dr: Der Beitrag nimmt „die Sozialwirtschaft“ in den Blick und geht der Frage nach, wie es gelingen kann, diese Branche auf das nächste Level, hin zu einer Sozialwirtschaft 4.0, zu heben. Dazu braucht es Organisationen, Verbände und Initiativen, da der Wandel von diesen ausgehen kann. Aber wer hört schon wirklich auf die eigene Organisation?


Wahrscheinlich kennst Du die Theory U von Otto Scharmer? Falls nicht kannst Du es einmal bei Ecosia nachschlagen, denn eine kurze Erläuterung dieses hoch spannenden Transformationsansatzes ist schwer, wenn nicht gar unmöglich, wenn Scharmer schon 10 Jahre daran arbeitet 😉 Also: Googlen bei Ecosia und dann weißt du dazu mehr.

System Change

Im Rahmen der Theory U hat Scharmer – das ist das eigentliche Thema – die Frage gestellt, wie es gelingt, die Transformation sozialer Systeme so zu gestalten, dass eine neue Ebene der Wahrnehmung im jeweiligen System erreicht werden kann. Hilfreich ist dazu dieses Bild:

New Work, Rezession und die Rolle sozialer Organisationen

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Die Konjunktur kühlt ab – Industrie in der Rezession” oder „Die Industrie befindet sich in der Rezession“ oder auch “Angekommen in der Rezession” – das sind die ersten Artikel aus der Wirtschaftswoche, der FAZ und der Süddeutschen Zeitung, wenn ich in meinem Ecosia google 😉 Spannend auch der Titel: “Geopolitische Rezession möglich” bei diepresse.com.

Nur kurz: eine Rezession ist eine Konjunkturphase, in “welcher ein Abschwung der Wirtschaft verzeichnet wird. Nach der am meisten verbreiteten Definition liegt eine Rezession vor, wenn die Wirtschaft in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen im Vergleich zu den Vorquartalen nicht wächst oder ein Rückgang zu verzeichnen ist (sinkendes Bruttoinlandsprodukt).” (Wikipedia) Man kann von dem BIP halten was man will: die obige Definition ermöglicht eine Einschätzung der wirtschaftlichen Leistung.

Das ist ja alles ganz spannend, aber solange Du Deinen Job noch nicht verloren hast, stellst Du Dir vielleicht die Frage: Was hat das, bitteschön, mit New Work und der Rolle sozialer Organisationen zu tun?

Warum Du Buurtzorg nicht als Vorbild nehmen solltest

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Bild von Benedikt Geyer auf Pixabay


Wenn Du den Blog hier und vor allem Entwicklungen zur zukunftsfähigen Organisationen verfolgt, ist Dir Buurtzorg sicherlich ein Begriff. Die niederländische Pflegeorganisation, die alles umgekrempelt hat? Falls Du noch auf der Suche nach einführenden Infos über Buurtzorg bist, empfehle ich dieses kurze Video:

Das ist zwar nicht mehr ganz aktuell (inzwischen ist die Organisation bei weit über 10.000 Mitarbeiter*innen angekommen), aber die grundlegenden Strukturen sind geblieben.

Ich will aber gar nicht über die Rahmenbedingungen von Buurtzorg schreiben, sondern über eine mich irritierende Wahrnehmung:

Buurtzorg ist Vorbild

Buurtzorg wird als Vorbild, Role Model oder Best Practice Beispiel für alles herangezogen, was gerade irgendwie soziale Organisationen anders machen sollten:

Rezension: Kraftquelle Tradition. Benediktinische Lebenskunst für heute 

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Im Folgenden findest Du meine Rezension zum Buch “Kraftquelle Tradition. Benediktinische Lebenskunst für heute” von Bodo Janssen.


New Work und benediktinische Regeln

Ich habe “Die stille Revolution” noch nicht gelesen und noch nicht gesehen. Aus mehr oder weniger unerfindlichen Gründen habe ich mich bislang geweigert, tiefer in die Welt von Upstalsboom hinabzusteigen und die Werke von Bodo Janssen zu verfolgen. Aber das neue Buch, Kraftquelle Tradition, hat mich neugierig gemacht:

Was Transformation sozialer Organisationen wirklich behindert

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Artikelbild Kaboompics .com aus Pexels

Transformation, Change, Veränderung, Agilität, Innovation – Wandel als Normalität und dann kommt es vor allem irgendwie auf die Haltung an, bitte! Mit all diesen Themen beschäftigen sich soziale Organisationen zunehmend. Das freut mich, natürlich. Aber der leicht ironische Unterton im Eingangssatz zeigt schon: Ganz so einfach ist es mit dieser Transformation nicht.

Drölfzig Ideen für New Work

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Im Folgenden beginne ich damit, die mir bekannten Ideen für New Work stichpunktartig vorzustellen.

New Work fokussiere ich dabei auf die Gestaltung der Organisation hin zu zeitgemäßen, bedarfsgerechten Organisationen. Andere Lesarten dazu findest Du bspw. in meinem Beitrag “Was ist New Work”.

Der vorliegende Beitrag dient nicht dazu, der Weisheit letzter Schluss zu sein und alle Ideen in der Tiefe zu diskutieren oder alle angerissenen Vorgehensweisen minutiös auszuarbeiten. Der Beitrag ist auch nicht sortiert.

Damit mäandern die Ideen zwischen der Abschaffung von Hierarchien und Führungskräften und der Etablierung von Kickern und gratis Kaffee. Der Beitrag dient somit dazu, Ideen zu teilen. Der Beitrag dient außerdem dazu, weiterzudenken: