Rezension: Chef sein? Lieber was bewegen!

Chef sein? Lieber was bewegen!

Der Wolf auf dem Titelbild des Buch “Chef sein? Lieber was bewegen!” als Metapher für den Anführer des Rudels und damit als formale Führungskraft? Oder was will uns das Bild sagen?

“Chef sein? Lieber was bewegen!” ist ein hoch spannendes Buch, eine Art Tagebuch des Unternehmenswandels hin zu neuen – und diesen Begriff finde ich sehr passend – Denkwerkzeugen, Denkmodellen und neuen Wegen der Zusammenarbeit.

Tagebuch trifft es insofern, da in einem Tagebuch auch die weniger schönen Seiten, die traurigen Zeiten, das Anstrengende beschrieben wird.

Ich lese die Beschreibung der Reise, die Stephan Heiler und Gebhard Borck über die Transformation der Alois Heiler GmbH, einem mittelständischen Hersteller und Handwerksbetrieb, jetzt schon seit einigen Tagen (Wochen, ehrlich gesagt ;-). Und damit der Reihe nach:

Verzicht auf formale Führungskräfte

Thema des Buches ist – das lässt sich aus der kurzen Einführung schon ablesen – die Transformation eines traditionellen, mittelständischen Unternehmens hin zu neuen Arbeitsformen, hin zu einer neuen Organisationsstruktur, hin zu mehr von diesem organisationalen “New Work”, verstanden als Befähigung der Mitarbeiter*innen zu mehr Eigenständigkeit, Eigenverantwortung, zu mehr Selbstorganisation.

Es geht darum, die Auswirkungen des Verzichts auf formale Führungskräfte zu begleiten. Was braucht es stattdessen? Wo treten die größten Herausforderungen auf? Wie gelingt der Wandel wirklich? 

Stephan Heiler und Gebhard Borck

Diese Fragen versuchen Stephan Heiler und Gebhard Borck zu beantworten. Stephan Heiler ist Geschäftsführer der Alois Heiler GmbH. Und Gebhard Borck beschreibt sich selbst als weltoffener Schwabe, der (fast) akzentfrei Deutsch sprechen kann. Wichtiger ist aber seine Arbeit als Transformations-Katalysator, in der er Menschen in und Unternehmen selbst bei der Transformation hin zu einer “Betriebswirtschaft mit Menschen” begleitet.

Entstehungshintergrund des Buches ist das Anliegen von Stephan Heiler, den von seinem Vater übernommenen Betrieb so zu gestalten, dass zum einen die Anforderungen des Marktes in Zeiten des Wandels bedient und damit die Lebensfähigkeit des Unternehmens gesichert werden kann, zum anderen aber auch die Menschen im Unternehmen ihr Arbeitsleben “menschlich” und damit sinngetrieben und ganzheitlich gestalten können.

Schritt für Schritt zum Wandel

Inhaltlich ist das Buch anspruchsvoll. Dazu lässt sich wiederum das Bild des Tagebuchs bemühen.

Ein Tagebuch ist zunächst wenig strukturiert: Wenn man das Leben und damit den Inhalt des Buchs verstehen will, hilft es wenig, Seite 137 aufzuschlagen, reinzulesen und zu glauben, man wüsste auch nur ansatzweise über das Leben des Schreibenden Bescheid.

Diese Analogie lässt sich wunderbar übertragen: Das Abgreifen von Methode XY zur Transformation der eigenen Organisation ist alles andere als ausreichend zur Sicherstellung eines erfolgreichen Wandlungsprozesses. Das ist vielleicht der große Fehler, der vielen “New Work Initiativen” zugrunde liegt: Nur dann, wenn man den Transformationsprozess von Beginn an in den Blick nimmt, die Partizipation aller Beteiligten sicherstellt, eigene Schwächen, Denkhaltungen, Menschenbilder etc. reflektiert und versucht, gemeinsam Schritt für Schritt voranzukommen, gelingt nachhaltiger Wandel. Für diese Schritte gibt es Methoden, Möglichkeiten, Denk- und Handlungswerkzeuge, deren Anwendung im Buch beschrieben werden.

Das Buch untergliedert sich dabei in die drei großen Kapitel “Wohin soll’s denn gehen?”, “Ich dachte, du weißt das!” und “Lass uns einfach draufloslaufen.” Ja, es wird deutlich: Das ist kein wissenschaftliches Fachbuch. Da steht die Definition der Begrifflichkeiten nicht vor der Herleitung der Forschungsfrage. Es geht vielmehr um die Realität: Wie läuft der Prozess real ab? Und da bieten die drei Kapitel entsprechende Einblicke in den Alltag.

Anregung: Essentials zusammenfassen!

Gleichzeitig liegt hier auch die aus meiner Sicht größte Kritik am Buch: Als hochschulisch geprägter Mensch ist es immer wieder herausfordernd, die oftmals notwendige Orientierung selbst zu schaffen. So wäre es in den einzelnen Kapiteln hilfreich, die Denkwerkzeuge noch transparenter hervorzuheben oder deutlicher zu unterscheiden zwischen “Beschreibung” und angewandten “Methoden”.

Vielleicht bedarf das Buch – das als Anregung – einer Art Zusammenfassung im Sinne der “Essentials der Transformation der Alois Heiler GmbH”, in dem die im Verlauf der Transformation verwendeten und erarbeiteten Denkwerkzeuge zusammengefasst dargelegt werden.

Das ist aber schon die einzige Anregung, denn die Art, sich dem Unternehmenswandel aus dieser Perspektive der Realität – mit allen Höhen und Tiefen – zu widmen, ist mehr als zielführend.

Fazit: Alle führen – aber richtig!

Kurz zusammengefasst lohnt sich das Buch für alle, die sich fragen, was denn bei so einer “Transformation” wirklich auf die Organisation, die Menschen in der Organisation und die Führungskräfte zukommt.

Das ist nicht nur lustig, nicht nur Friede, Freude, Eierkuchen.

Und die Leitwölfe werden übrigens nicht abgeschafft. Viel eher- so zumindest meine Lesart – übernehmen die Menschen die Führung in der Organisation, die auch die Kompetenz dazu haben – nämlich alle, je nach Situation, Bedarf und Anliegen. Das ist in klassischen Organisationen leider oftmals anders.


Hier könnt ihr das Buch übrigens käuflich erwerben!*

Und als Anregung, was Tagebücher betrifft, solltet ihr mal – wenn ihr im Südwesten unterwegs seid, im Deutschen Tagebucharchiv vorbeischauen.


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