Innovation und Lernen: Working Out Loud in der Sozialen Arbeit

Working Out Loud

#WOL? Schon einmal etwas davon gehört? Nein? Das wundert mich ein wenig. So habe ich das Gefühl, mit meinem Artikel beinahe zu spät dran zu sein, denn die Methode “Working Out Loud” (kurz: #WOL) wird und wurde bereits in unzähligen Blogbeiträgen aufbereitet und erläutert. Ist es aber nur die neue Sau, die durch das digitale Dorf getrieben wird? Oder ist an der Methode Working Out Loud tatsächlich mehr dran? Und wenn mehr dran ist: Worin kann der Nutzen der Methode für die Professionellen in der Sozialen Arbeit und ggf. auch für soziale Organisationen liegen?

Im Folgenden gehe ich entsprechend den Fragen nach:

  1. Was ist Working Out Loud?
  2. Wo liegt der Nutzen?
  3. Ist eine Übertragung auf Soziale Organisationen bzw. die Soziale Arbeit sinnvoll?

Ich will jedoch einschränkend hervorheben, dass ich die Methode nur kurz anreißen werde, da ich sie bislang noch nicht selbst getestet habe. Sobald das aber geschehen ist, gibt es einen ausführlicheren “Testbericht” 😉 Jetzt aber los:

Was ist Working Out Loud?

Bei Working Out Loud geht es – ganz kurz gefasst – darum, die eigene Arbeit so sichtbar zu machen, dass sie auch anderen helfen kann.

Das klingt zunächst einfach. Jedoch ist es, gerade in klassischen, hierarchisch und nach Abteilungen strukturierten Organisationen eher an der Tagesordnung, die eigene Arbeit und das Wissen darüber als Machtinstrument zu missbrauchen und keinesfalls freizügig – im Sinne des gegenseitigen Lernens – weiterzugeben.

Gerade aus Sicht der Führungskräfte wird oft die Frage gestellt, wer jetzt in den Besitz des Herrschaftswissens (das es das Wort allein gibt, verrät einiges) gelangen darf. Das kennen Sie:

“Warum sollte Kollege XY über dies und jenes informiert werden? Vielleicht nutzt der die Info wiederum gegen mich oder meine Abteilung?”

Aber konkreter:

Der Initiator des Konzepts, John Stepper, definiert #WOL als eine einfach Methode, um relevante Arbeitsbeziehungen aufzubauen, die dabei helfen, ein Ziel zu erreichen oder neue Themen zu entdecken.

Beziehungen vertiefen

Es geht somit darum, durch unterschiedliche Techniken und Methoden und mithilfe von Geschichten, Praktiken und Übungen, berufliche und private Beziehungen zu vertiefen und eigene Verhaltensweisen zu ändern, um damit offener, freigiebiger und vernetzter zu arbeiten und insgesamt zu werden.

Dies betrifft wie gesagt einzelne Personen ebenso wie ganze Unternehmen (vgl. https://www.tandemploy.com/de/blog/mach-deine-arbeit-sichtbar-working-out-loud/).

Drei Fragen

Der Beginn von #WOL liegt in den drei folgenden Fragen:

  1. Was versuche ich zu erreichen?
  2. Wer könnte mit meinem Ziel irgendwie in Verbindung stehen?
  3. Was kann ich denjenigen Personen im Gegenzug anbieten, um unsere Beziehung zu vertiefen?

WOL Circle

Die konkrete Umsetzung erfolgt dann in einem sog. “WOL Circle”:

Man trifft sich in kleinen Gruppen (max. 6 Personen) 12 Wochen lang jede Woche einmal (persönlich oder digital). Jede*r Teilnehmer*in hat dann die Möglichkeit, sein basierend auf den drei obigen Fragen skizziertes Ziel durch die Hilfe der anderen Gruppenmitglieder zu bearbeiten und die anderen Gruppenmitglieder mit seinem Wissen und Erfahrungen zu unterstützen.

Wie angesprochen ist es möglich, private oder berufliche Ziele anzugehen und damit die WOL Circle auf privater Ebene oder auch innerhalb von Unternehmen oder über Unternehmensgrenzen hinweg zu initiieren.

Wie genau die “WOL Circles” ablaufen, ist in 12 Circle Guides geregelt, die sich auf der Seite http://workingoutloud.com/circle-guides abrufen lassen (übrigens auch in Deutsch).

Sie sehen: Eine klare Anleitung für ein spannendes Vorgehen!

Wo liegt der Nutzen von #WOL

Wie gelingt Innovation? Wie lässt sich Innovationsfähigkeit steigern? Wie gelingt Zusammenarbeit und gegenseitiges und vielleicht sogar organisationales Lernen in Zeiten der digitalen Transformation?

Neue Arbeitsmodelle

Die digitale Transformation braucht und fordert neue Arbeitsmodelle, soviel steht fest. Und Innovation, Entwicklung und Lernen braucht offene Netzwerke, private ebenso wie inner- und außerhalb der Organisationen, oder kurz:

Eine neue Art der Zusammenarbeit zur Lösung bestimmter Probleme.

Hier bietet #WOL an, einen Rahmen zu bieten, in dem die Expert*innen für bestimmte Themen, zusammenkommen können.

Menschen im Mittelpunkt

Und diese Expert*innen sind Ihre Mitarbeiter*innen, wer sonst?

Working out Loud wird damit zu einer Möglichkeit, strukturiert, zielgerichtet und fokussiert sowie nachhaltig zusammen neu zu lernen und eigene Aufgaben und Ziele selbstorganisiert zu gestalten und umzusetzen.

Übertagung auf Soziale Organisationen

Macht #WOL in der Sozialen Arbeit Sinn? Hier sind für mich (mindestens) zwei Antworten wesentlich:

#WOL fachlich

Zum einen gibt es #WOL-Circle in der Sozialen Arbeit schon lange:

Die in den meisten Organisationen etablierten Fallsupervisionen sind für mich hier sehr vergleichbar. Gleichzeitig ist in diesem Kontext natürlich der Datenschutz ein Thema: Es ist nicht ganz einfach, über bestimmte Fälle zu sprechen, ohne den Datenschutz zu verletzen (wobei auch das mit anonymisierten Beschreibungen geht). Das schränkt ggf. die Etablierung einer rein digitalen Gruppe ein, die sich mit bestimmten Fällen auseinandersetzt. Aber, wie gesagt, solange die Anonymität gewahrt bleibt, bestehen eigentlich keine Bedenken, oder?

Und es ergeben sich, gerade für die Professionellen in oftmals kleinen Einrichtungen sozialer Arbeit (private Träger, ländliche Strukturen etc.) Möglichkeiten des fachlichen Austauschs innerhalb  einer geschützten Gruppe anhand eines vorgegebenen Rahmens (#WOL-Guides).

Also: Vernetzt Euch 😉

#WOL für soziale Organisationen

Der zweite, für mich ebenso spannende Anwendungsmöglichkeit ergibt sich auf organisationaler Ebene:

Hier ist es unrelevant, ob es sich um soziale oder welche Organisationen auch immer handelt:

Innovation – wie angesprochen – ergibt sich durch die Vernetzung mit anderen Menschen, durch Austausch, durch Voneinanderlernen. Und dazu sind die #WOL-Gruppen ein idealer Ansatzpunkt.

Wichtig erscheint mir, nicht nur innerhalb der eigenen Organisation nach Inspiration zu suchen, sondern auch den Mut zu haben, über die organisationalen Grenzen hinweg Vernetzungen mit anderen Menschen, Professionen und Organisationen anzustreben. Daraus lässt sich dann wirklich etwas Neues entwickeln.

Fazit: Working Out Loud für die soziale Arbeit:

Auch wenn es nur ein kurzer Einblick war: die Methode Working Out Loud scheint mir auf den ersten Blick sehr vielversprechend zu sein. Ich werde mich sicherlich in der nächsten Zeit auf die Suche nach einem eigenen kleinen, vermutlich digitalen #WOL-Circle begeben (falls jemand Bock hat: einfach melden!).

Ich werde dann hier auch von meinen Erfahrungen berichten.

Kaffee trinken

Für soziale Organisationen hingegen sehe ich die große Herausforderung darin, sich intern zu öffnen:

So reden zwar alle von Innovation, alle nehmen AirBNB und Uber als Beispiele für die großen Disruptionen und schauen mit ebenso großen Augen auf Plattformen wie nextdoor und betreut.de.

Alle sind auf der Suche nach möglichst schnellen und ganzheitlichen Lösungen für die sich durch die digitale Transformation ergebenden Herausforderungen und alle reagieren mit Angst und Schrecken auf die sich ergebenden Veränderungen, berufen Chief Innovation oder Digital Officers und gründen Labs am laufenden Band.

Aber mit der Kolleg*in aus der anderen Abteilung nen Kaffee trinken? Oder sich einfach mal so, themenunabhängig und “ziellos”, mit den Jungs von der IT zusammensetzen? Oder mal unabhängig von Hierarchie und Abschluss mit den Menschen reden und hören, was sie zu sagen haben? Ne, oder?

Besser ist, wie gesagt:

Weiterlesen:

Es gibt unzählige Beiträge zur Methode und ich habe einfach einige herausgegriffen:

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